Bauarbeiten für den Fernpasstunnel starten.

So leer und ruhig wie an diesem frühen Morgen ist es am Fernpass selten. Ein Tunnel soll für schnelleren Verkehrsfluss und weniger Unterbrechungen sorgen. Bild: Christian Schön / alpintreff.de
So leer und ruhig wie an diesem frühen Morgen ist es am Fernpass selten. Ein Tunnel soll für schnelleren Verkehrsfluss und weniger Unterbrechungen sorgen. Bild: Christian Schön / alpintreff.de

An den Verkehrsprojekten im Alpenraum scheiden sich meist die Geister. Während die einen sehr positiv gestimmt sind, haben die anderen schon bei den Plänen genug davon. Eins der Paradebeispiele ist der Fernpasstunnel, der aktuell die Gemüter im Außerfern und der Region Nassereith deutlich erhitzt.

Fernpassscheiteltunnel – wie verläuft der?

Die Straße über den Fernpass verläuft eigentlich in einer relativ großen Schleife. Es gibt zwei spitze bzw. relativ spitze Kehren, die geografisch eigentlich recht eng beieinander liegen. Diese beiden Kehren möchte man mittels Tunnel verbinden. Resultat: Aus etwa 4,8 Kilometer Strecke werden 1,4 Kilometer. Aus 200 Höhenmeter etwa 70. Das ganze soll durch eine Röhre geführt werden und neben der zeitlichen Verkürzung auch die immer mal wieder nötigen Fernpasssperren verhindern. Das LKW-Fahrverbot über 7,5 Tonnen soll aufrecht erhalten bleiben.

So weit, so gut. Viele Anrainer denken allerdings, dass der Fernpass dennoch zu einer weiteren Transitroute werden soll und auch wird. Selbst, wenn die einzelne Durchfahrt durch den Tunnel immerhin für einen PKW 14 Euro kosten sollte. Denn eine Maut gilt wohl als ausgemacht.

Demonstration von mehr als 700 Personen am letzten Wochenende

Die Bewohner von Nassereith auf der „Fern-“ Seite des Fernpass sowie die Bewohner im Außerfern, also in den Orten der Tiroler Zugspitzarena (Ehrwald, Lermoos und Biberwier) können ein Lied vom vielen Verkehr singen. Wahrscheinlich gibt es zwar noch schlimmere Routen, aber das Verkehrsaufkommen ist schon beträchtlich.

Bereits im Jahr 1981 startete der Bau des Lermooser Tunnels, der den Fernpass-Verkehr zumindest einmal aus den Ortschaften Lermoos und Biberwier heraushalten sollte. Das hat im wesentlichen auch gut geklappt, aber der Verkehr ist seitdem noch einmal drastisch gestiegen. Zum einen wurde die A7 bis Reutte fertiggestellt, die auch im Außerfern für deutlich höheres Verkehrsaufkommen sorgt, zum anderen fahren wir halt heute auch noch einmal deutlich mehr, als man das selbst zur Eröffnung des Tunnels im Jahr 1984 absehen konnte. Zusätzlich kommt aber auch noch ein nicht unbeträchtlicher Anteil des Fernpass-Verkehrs über Griesen aus der Garmischer Region. Hier zählen auch viele Touristen aus München dazu.

Lange mussten auch die Einwohner von Nassereith für eine Umgehung kämpfen. Mehr als 20 Jahre war das Thema präsent.

Grund genug also, dass die Einwohner am liebsten nicht ein einziges Auto mehr über den Fernpass fahren sehen wollen. Immerhin etwa 700 von ihnen protestierten am letzten Juniwochenende 2026 und legten den Verkehr auf dem Fernpass für etwa eine Stunde komplett lahm. Weitere Demos sollen natürlich folgen.

Erste Baumaßnahmen für den Fernpasstunnel – Genehmigungsverfahren läuft noch

Während man auf der einen Seite noch im Genehmigungsprozess steckt, werden auf der anderen Seite bereits Arbeiten erledigt. So wird eine 110 kV-Freileitung derzeit verlegt. Sie verläuft im Bereich des südlichen Tunnelportals, also der einzigen wirklichen Spitzkehre des Fernpasses auf der Nassereither Seite.

Wir sind gespannt, was hier in nächster Zeit noch passieren wird. Der offizielle Zeit sieht den Baubeginn für 2026 und die Inbetriebnahme für 2030 vor. Die Gesamtkosten der Maßnahme werden vom Land Tirol auf der Preisbasis von 2023 auf etwa 160 Millionen Euro geschätzt. Beim ORF wurde jüngst allerdings eine Zahl von 500 Millionen berichtet.