Luftseilbahn L2 in Samnaun 2026 im Sommerbetrieb

Luftseilbahn L2 in Samnaun. In diesem Sommer in Betrieb.
Luftseilbahn L2 in Samnaun. In diesem Sommer in Betrieb.

Eine Besonderheit im Sommer 2026 ist der Betrieb der Luftseilbahn L2 in Samnaun. Hintergrund ist der Austausch der beiden Kabinen nach mittlerweile immerhin auch schon wieder 30 Betriebsjahren. Im Sommer 1995 nahm der Twinliner als erste Doppelstock-Pendelbahn der Welt seinen Betrieb auf.

Während des Umbaus ist die alte Bahn in Betrieb

Wer heute in Samnaun Ski fährt, nimmt meist die moderne Doppelstockbahn „Twinliner“ oder eine der zahlreichen komfortablen Sesselbahnen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass der eigentliche Aufstieg Samnauns zu einer internationalen Wintersportdestination einer anderen Bahn zu verdanken ist: der Luftseilbahn L2 von Samnaun-Ravaisch auf den Alp Trider Sattel.

Der Beginn einer neuen Ära

Bis in die 1970er-Jahre war Samnaun touristisch vergleichsweise wenig erschlossen. Zwar war das Tal durch seinen Zollfreistatus bekannt, doch im Winter fehlte eine leistungsfähige Verbindung in die hochalpinen Skigebiete. Dies änderte sich grundlegend mit der Gründung der Bergbahnen Samnaun AG im Jahr 1977 und der engen Zusammenarbeit mit dem österreichischen Nachbarn Ischgl.

Bereits kurz darauf begann der Bau einer Luftseilbahn von Samnaun-Ravaisch auf den Alp Trider Sattel. Am 16. Dezember 1978 nahm die Bahn gemeinsam mit den ersten Skiliften auf der Alp Trida den Betrieb auf. Damit wurde erstmals das grenzüberschreitende Skifahren zwischen Samnaun und Ischgl möglich – die Geburtsstunde der heutigen Silvretta Arena.

Die technische Pionierleistung von 1978

Die ursprüngliche Luftseilbahn wurde von Garaventa gebaut und war für ihre Zeit eine leistungsfähige Anlage. Die Pendelbahn verfügte über Kabinen für 80 Personen, überwand rund 720 Höhenmeter und legte eine Strecke von knapp 2,3 Kilometern zurück. Die Fahrzeit betrug etwa sechs Minuten.

Mit ihrer Talstation auf rund 1.790 Metern und der Bergstation auf etwa 2.510 Metern brachte sie Wintersportler direkt in das neu erschlossene Skigebiet. Für Samnaun bedeutete dies einen touristischen Quantensprung. Hotels entstanden, die Gästezahlen stiegen und das zuvor abgelegene Hochtal wurde Teil eines der größten Skigebiete der Alpen.

Der Erfolg bringt neue Herausforderungen

Der Erfolg der neuen Verbindung übertraf alle Erwartungen. Die Zahl der Wintersportler nahm Jahr für Jahr zu, und bald bildeten sich an der Talstation lange Warteschlangen. Die Kapazität der 80-Personen-Bahn reichte für den stetig wachsenden Besucherandrang nicht mehr aus.

Anstatt die bestehende Bahn zu ersetzen, entschieden sich die Bergbahnen Samnaun für eine damals revolutionäre Lösung: den Bau einer zweiten Pendelbahn parallel zur bestehenden Trasse.

Die Geburt des Twinliners

1995 wurde unmittelbar neben der L2 die weltweit erste Doppelstock-Luftseilbahn eröffnet. Der sogenannte „Twinliner“ verfügte über zweistöckige Kabinen für bis zu 180 Personen und verdoppelte die Transportkapazität praktisch über Nacht. Die neue Bahn war eine technische Sensation und machte Samnaun international bekannt.

Bemerkenswert ist, dass die ursprüngliche Luftseilbahn von 1978 nicht stillgelegt wurde. Bis heute bleibt sie als L2 in Betrieb und bildet zusammen mit dem Twinliner ein einzigartiges Zubringersystem. Während viele ältere Pendelbahnen nach dem Bau moderner Nachfolger verschwanden, erfüllt die L2 weiterhin eine wichtige Rolle als zusätzliche Kapazitätsreserve und zuverlässige Alternative bei Spitzenbetrieb.

Eine Bahn mit historischem Wert

Heute wird die L2 oft vom spektakulären Twinliner überschattet. Historisch betrachtet ist sie jedoch die bedeutendere Anlage. Ohne die Luftseilbahn von 1978 hätte es die touristische Entwicklung Samnauns in ihrer heutigen Form wahrscheinlich nie gegeben. Sie war die erste direkte Verbindung in das Skigebiet Alp Trida und der Schlüssel zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Ischgl.

Mehr als vier Jahrzehnte nach ihrer Eröffnung verrichtet die Bahn noch immer ihren Dienst – ein seltenes Beispiel dafür, wie eine Seilbahnanlage nicht nur technische Geschichte geschrieben, sondern die Entwicklung einer ganzen Region nachhaltig geprägt hat.