Schneeschuh-Wandern: Tour auf das Toreck

Aus dem Kürenwald zu den Schneekuppen der Oberen Gottesackerwände

Das Toreck bietet eine traumhafte Aussicht. // Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp
Das Toreck bietet eine traumhafte Aussicht. // Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp

Die beiden Bergexperten Ulf Streubel und Matthias Schopp sind wann immer es geht in den Alpen unterwegs. Ihr Wissen geben sie gern in Form von Büchern weiter. Ihre Schneeschuh-Tour auf das Toreck im Kleinwalsertal teilen sie hier mit uns.

Der Aufstieg auf das Toreck vom Mahdtalhaus zählt zu den klassischen Wintertouren. Das gemächliche Steigen auf den östlichen Eckpfeiler der Oberen Gottesackerwände zählt zu den intensivsten Erlebnissen, die man sich in weitem Umfeld gönnen kann. Hervorragend markiert leitet uns der ausgeschilderte Wegverlauf in die Höhe, bis wir fasziniert stehen bleiben, um uns am 360 Grad-Panorama vom Bodensee über den Alpstein, Tödi und den vielen Vorarlberger und Allgäuer Gipfeln bis ins oberbayerische Voralpenland satt zu sehen. Routinierte Bergsteiger können das Gipfelerlebnis, beste Verhältnisse vorausgesetzt, über den Windecksattel und das obere Mahdtal zu einer großzügigen Rundtour erweitern.

Kartenausschnitt der Tour auf das Toreck. // (c) Freytag & Berndt, Wien

Eckdaten der Tour

Ausgangspunkt: Parkplatz am Mahdtalhaus, 1043 m, kostenlos.

ÖPNV: Walserbus Linie 1 (Oberstdorf-Baad) nach Riezlern, weiter bis Bus Linie 2 (Riezlern-Schwende-Egg) Haltestelle »Mahdtalhaus«.

Anforderungen: Mittelschwer (WT3) mit nur einzelnen steileren Abschnitten; Abstiegsvariante deutlich anspruchsvoller mit längeren Passagen WT4, am Windecksattel kurz WT5, nur für erfahrene Schneeschuhbergsteiger.

Orientierung: Meist einfach, sehr häufig gespurt, im unteren Teil gut auf die grünen DAV-Hinweisschilder achten, bei Nebel nicht empfehlenswert; Abstiegsvariante nur gelegentlich gespurt, allerdings stets klare Geländestrukturen. An der Mahdtalalpe unbedingt den großen, rot-weißen Pfeilen folgen, da das untere Mahdtal vom 1. November bis 15. Mai gesperrte Wildschutzzone ist, außerdem Absturzgefahr am Höllloch.

Hangrichtung: Ost, Abstiegsvariante: Nord, Nordost, Ost.

Lawinengefährdung: Gelegentlich lawinengefährdet bei der Querung unterhalb des Felsriegels; Abstiegsvariante nur bei absolut sicheren Verhältnissen begehen.

Einkehrmöglichkeit: Mahdtalhaus, 1043 m, Selbstversorgerhütte des DAV Stuttgart, Übernachtungsmöglichkeit, geöffnet vom 20. Dez. bis 31. Okt., ab dem ersten Sonntag nach Ostern für 4 Wochen geschlossen. Öffnungszeiten tagsüber unregelmäßig, meist bis 10 Uhr und ab 17 Uhr (DAV Mahdtalthaus)

Variante: Abstieg über den Windecksattel: Etwas unterhalb der Grathöhe unschwierig hinüber zur Gottesackerscharte (Torkopfscharte) 1963 m, aus der man den höchsten Punkt der Oberen Gottesackerwände, den Sonnenberg, 2033 m, besteigen kann (bei gutem Wetter und genügend Zeitreserven sehr lohnend; WT3; + 0.30 Std.). Aus der Gottesackerscharte steil hinunter in das einsame Kar unter dem Mitteleck und nach Nordosten in die Scharte zwischen Mitteleck und Torkopf. Anschließend die Nordhänge des Torkopfs queren (bei viel Schnee oder Eis heikel) und in den Windecksattel, 1751 m, absteigen. Ein Abstecher zum Hauptgipfel der Unteren Gottesackerwände, 1858 m, ist bei gutem Wetter empfehlenswert. Dazu immer auf der Kammhöhe bleiben (der Sommerweg verläuft rechts unterhalb), bis man die Latschenzone in Gipfelnähe erreicht. Kurz nach rechts auf einer kleinen Terrasse, dann scharf links über eine Steilstufe auf die Abbruchkante und noch 20 m durch dichte Latschen mühsam nach links zum Vermessungspunkt (kurz WT4, sonst WT2, + 0.40 Std.). Vom Windecksattel je nach Verhältnissen möglichst weit südlich in den anfangs sehr steilen Hang einsteigen (weiter nördlich häufig riesige, ausladende Wechten) und durch das obere Mahdtal zur Mahdtalalpe, 1497 m. Ab hier unbedingt den großen, rot-weißen Pfeilen (»Schiroute«) folgen. Über dem Hölltal queren wir die nur anfangs steilen Hänge und treffen nahe der Grafenkürenalpe wieder auf den Anstiegsweg (mit beiden Gipfeln insgesamt WT5, + 4,5 km; + 200 Hm; + 2.00 Std.).

Höhenprofil der Tour auf das Toreck. // Grafik: Rother Bergverlag

Es geht los

Vom Parkplatz am Mahdtalhaus (1), 1043 m, wenige Schritte zurück in Richtung Bushaltestelle zu einer Tourentafel. Durch lichtes Gelände kommen wir an einigen einzeln stehenden Holzhüttchen vorbei und wenden uns an einer letzten Hütte vor dem Waldrand nach links. Ein steiler Aufstieg führt uns zu einer weiteren Hütte. Ein etwas längeres Flachstück im Wald steht an, bevor wir eine Forststraße erreichen. Auf dieser kurz nach links. Dann leitet uns ein grünes Schild (Achtung, hier ohne Richtungspfeil!) rechts einen steilen, mit niedrigem Buschwerk bestandenen Hang hinauf. In schnurgerader, westlicher Richtung kommen wir durch den Wald ansteigend auf einen breiten Weg (DAV-Hinweistafel).

Unser Ziel, das Toreck, rechts der kecke Torkopf. // Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp

Auf diesem flanieren wir gemütlich zur Jagdhütte der Grafenkürenalpe (2), 1420 m, und steigen schräg unter einer spektakulären Felswand höher. Über die anschließenden, zumeist sanften Hänge betreten wir einen Vorgipfel (3), 1830 m, von dem sich der Schlussaufstieg gut einsehen lässt. Nach kurzem Abstieg in eine Senke können wir uns nun beliebig unsere Route aussuchen, wobei wir aufpassen, nicht zu sehr an die Abbruchkanten heranzutreten.

Das Toreck bietet eine traumhafte Aussicht. // Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp

Mehrere kleine Hügelchen markieren das Toreck (4), 2016 m, an dem nach Norden ein Grat zum Torkopf leitet. Auch für diejenigen, die auf dem Anstiegsweg zurückkehren, lohnt es sich, noch weitere 300 m nach Westen zu laufen, um dem höchsten Punkt zwischen Toreck und Gottesackerscharte (Torkopfscharte), einen Besuch abzustatten, denn die Aussicht ist noch besser als auf dem Toreck. Abstieg wie Aufstieg (Dabei nicht geradeaus zur Grafenkürenalpe abkürzen: Schutzgebiet!) oder auf der Variante.

Hoher Ifen und Skizirkus unterhalb. // Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp

Torkopf vor den mächtigen Oberen Gottesackerwänden.
// Foto: Ulf Streubel und Matthias Schopp

Diese Tour (Nummer 44) ist ein Auszug aus dem Buch (=> hier unsere Rezension)

Schneeschuhführers durch das Alpenvorland und die Allgäuer Alpen.
Cover des Buches „Rother Schneeschuhführer Allgäu, Alpenvorland und Allgäuer Alpen“ aus dem Rother Bergverlag

Über die Autoren

Ulf Streubel, Jahrgang 1970, lebt schon lange Jahre in Baden-Württemberg und hat zahlreiche Hochtouren in den Schweizer Alpen erforscht. Die Allgäuer Alpen gehören zum (Sport-) Leben des Juristen genauso dazu wie das Verfassen von Sachbüchern über diese Erlebnisse und Touren, zusammen mit seinem langjährigen Freund Matthias Schopp.

Matthias Schopp, Jahrgang 1982, ist seit 25 Jahren ausgemachter Bergsportler. Ob wandern, bergsteigen oder skifahren, nichts ist dem Gymnasial-Lehrer fremd. Er stand bereits auf 30 Viertausendern und ist so viel wie möglich in den Bergen unterwegs.

Buchinfos

2. Auflage 2020 aus dem Rother Bergverlag
240 Seiten mit 195 Farbabbildungen
65 Höhenprofile, 65 Tourenkärtchen im Maßstab 1:50.000 und 1:75.000, zwei Übersichtskarten, GPS-Tracks zum Download
EAN 9783763358144 – ISBN 978-3-7633-5814-4
16,90 Euro [D] • 17,40 Euro [A] • 23,90 SFr

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Silke Schön
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Schon als Kind war ich oft mit der Familie zum skifahren in den Bergen. Später lernte ich meinen Mann kennen, der zufällig einer der größten Berg(bahn)fans ist. Das passte! Es folgten unzählige Aufenthalte und Urlaube. Und zwei Kinder. Nun machen wir unsere Vorstellung von einem Alpenkatalog mit News und vielen Bildern endlich wahr.