Kaunergrat: Ein weiteres Schutzgebiet kommt hinzu

Naturschutz erweitert

Die Schutzgebiete in Tirol. // Grafik: Tiris, Land Tirol
Die Schutzgebiete in Tirol. // Grafik: Tiris, Land Tirol

Das Ziel von Schutzgebieten besteht in der Erhaltung und Verbesserung der besonderen biologischen Vielfalt oder einer herausragenden landschaftlichen Schönheit. Der Gebirgskamm Kaunergrat zwischen dem Pitztal und dem Kaunertal beeindruckt durch einen außerordentlich hohen Anteil an ursprünglicher Kulturlandschaft und einem intakten Naturraum.

„Heute ist ein Festtag für den Naturschutz in Tirol. Um insgesamt 13.000 Hektar, das entspricht der Fläche von 17.000 Fußballfeldern, wird das Tiroler Schutzgebietsnetzwerk vergrößert. Es ist zugleich die größte Fläche, die in den vergangenen 30 Jahren in Tirol neu ausgewiesen und unter Schutz gestellt wurde. Unsere Schutzgebiete sind ganz besondere Orte, die wir für die nachfolgenden Generationen schützen und erhalten müssen. Aus diesem Grund werden alle 90 Schutzgebiete professionell vor Ort betreut, um deren Erhalt auch sicherstellen zu können. Dabei steht immer das Miteinander von Mensch und Natur im Vordergrund“, freut sich Naturschutzlandesrätin LHStvinIngrid Felipe. Mit dem in der Landesregierung gefassten Beschluss wird der Kaunergrat zum Landschaftsschutzgebiet erklärt und zugleich in den Naturpark integriert.

Naturpark Kaunergrat – Vision erfolgreich umgesetzt

Im Jahr 1998 wurde von den neun Mitgliedsgemeinden aus dem Pitztal, Kaunertal und Fließ die „Initiative Naturpark Kaunergrat“ ins Leben gerufen. Schon damals lag diesem Bestreben die Vision zugrunde, die eindrucksvolle Landschaft rund um den Kaunergrat zum Herzstück des Naturparks zu machen. „Mit dem heutigen Tag ist diese Vision endlich Wirklichkeit geworden. Damit bringt der Naturpark Kaunergrat nun sieben Schutzgebiete in das Tiroler Schutzgebietsnetzwerk ein. Dabei macht mich besonders stolz, dass die Schutzgebiete mit großer Zustimmung der lokalen Bevölkerung ausgewiesen wurden. Man sieht, dass es mit konsequenter Arbeit möglich ist, auch zunächst kritisch eingestellte Grundeigentümer ins Boot zu holen. An dieser Stelle gilt mein Dank den langjährigen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Region und der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol“, sagt Naturparkobmann Hans-Peter Bock.

Der Mittelberglesee. // Foto: Wolfgang Schranz

Der Kaunergrat ist besonders – besonders schützenswert

Die neu hinzugekommene 13.032 Hektar große Schutzgebietsfläche umfasst die gesamte Gebirgsregion zwischen der Aifner Spitze im Norden und dem Löcherkogel im Süden. Es schließt damit nahtlos an das südlich angrenzende Natura 2000-Gebiet „Ruhegebiet Ötztaler Alpen“ an. Die fachliche Begründung liegt einerseits in der einzigartigen und vielfach noch unveränderten Naturlandschaft der alpinen und teilweise subalpinen Zone und andererseits in der landschaftsästhetisch wertvollen und nachhaltig bewirtschafteten Kulturlandschaft der Talschlüsse. Besonders ist die Landschaft auch deshalb, weil kein anderes Nord-Südgebirge auf derart kurzer Strecke in Tirol in solcher Wildheit – mit schroffen Gipfelregionen, steilen Gletscherbereichen, felsigen Karen und solcher Unberührtheit – in Form von alpinen Rasen, Feuchtgebieten oder zahlreichen Bergseen vorliegt wie am Kaunergrat.

Die vorkommenden Wälder sind größtenteils Standort- und Objektschutzwälder und nur bedingt für die forstliche Nutzung geeignet. Es handelt sich dabei um natürliche Zirbenwälder und Mischformen mit Fichten und Lärchen. Derartige Waldtypen sind überdies wertvolle Lebensräume für Auer- und Birkwild und zahlreiche weitere waldgebundene Brutvogelarten wie den Schwarzspecht, Buntspecht oder Eulenvögel. „Gerade unberührte Naturlandschaften und naturnah bewirtschaftete Kulturlandschaften werden von immer mehr Menschen als landschaftliche Besonderheit wahrgenommen, geschätzt und zur Erholung genutzt. Es ist daher sehr wichtig, diese einzigartigen Landschaften zu schützen, ihre Besonderheiten zu erhalten und auch für die Bevölkerung erlebbar zu machen“, sagt LHStvin Felipe.

Ein Schutzgebiet wird zur erlebbaren Modellregion

Das neu ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet Kaunergrat soll langfristig zu einer Modellregion für ein positives Zusammenwirken von Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus werden. Um das zu erreichen wird in den kommenden Jahren im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt. Es umfasst die Bereiche Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus, wie der Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl erläutert: „Die Unterschutzstellung des Kaunergrats verstärkt die Wertigkeit seiner beeindruckenden Natur- und Kulturlandschaft nach innen und nach außen. Sie bringt aber auch zusätzliche Möglichkeiten für die Beratung und Unterstützung der Almwirtschaft im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung. Die Förderung einer natur- und landschaftsverträglichen Almwirtschaft ist mir dabei ein besonderes Anliegen. Ich freue mich schon sehr auf die Umsetzung mit den Almbewirtschaftern, die ihrerseits bereits großes Interesse bekundet haben.“


Factbox

Folgende landschaftliche Gefüge werden durch das Landschaftsschutzgebiet geschützt:

  • Gletscher, Blockgletscher, Moränen und zahlreiche Karseen
  • Alpine Rasen (beispielsweise Nacktriedrasen auf Amphibolitbändern, bodensaure Magerrasen)
  • Unberührte Talschlüsse (inkl. Wasserfälle) und Almen
  • Feuchtgebiete (beispielsweise Moore, Klein- und Großseggenrieder)
  • Zirbenwaldgesellschaften (mit Lärche und Fichte)

Schutzgebiete in Tirol: 90

Fläche Tiroler Schutzgebiete gesamt: 341.644 Hektar

Anteil Schutzgebiete an der Landesfläche: 27 Prozent  

Fläche Naturparkregion Kaunergrat: 58.935 Hektar

Fläche Naturpark Kaunergrat (Schutzgebiete): 24.009 Hektar

Fläche Landschaftsschutzgebiet Kaunergrat – neu: 13.032,20 Hektar

Naturparkfläche verteilt sich auf 9 Gemeinden:

Jerzens, Arzl im Pitztal, St. Leonhard im Pitztal, Wenns, Fließ, Faggen, Kaunerberg, Kaunertal, Kauns

Quelle: Land Tirol

Das Pitztal entdecken

Schöner urlauben in Jerzens. • © ©TVB Pitztal / Chris Walch Breonix Foto+DesignJerzens
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Schon als Kind war ich oft mit der Familie zum skifahren in den Bergen. Später lernte ich meinen Mann kennen, der zufällig einer der größten Berg(bahn)fans ist. Das passte! Es folgten unzählige Aufenthalte und Urlaube. Und zwei Kinder. Nun machen wir unsere Vorstellung von einem Alpenkatalog mit News und vielen Bildern endlich wahr.